Transhumanismus - Perspektiven, Chancen, Risiken Ein Symposium zur Bio- und Technikethik der Zukunft Samstag, 5. Dezember 2015 in Nürnberg, Marmorsaal  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie Bayern 2015

Programm

Ablauf (Änderungen vorbehalten)

  Uhrzeit   Programmpunkt   10.00       Begrüßung   10.15       Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner (Erfurt/Rom):                  Transhumanismus - die „gefährlichste Idee der Welt“?   11.00       Dipl.-Pol. Christopher Coenen (Karlsruhe):                  Der frühe Transhumanismus zwischen Wissenschaft und Religion   11.45       Kaffeepause 1   12.00       Prof. Dr. Dieter Birnbacher (Düsseldorf):                  Transhumanismus – Trivialität oder Provokation?   12.45       Mittagspause   14.15       Dr. Sascha Dickel (München):                  Transhumanismus als Utopie   15.00       Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter (Washington, D.C./Breslau):                  Der Transhumanismus als politische Bewegung - Auf dem Weg                  in eine „Brave New Transhumanist World“?   15.45       Kaffeepause 2   16.15       Dr. Gerhard Engel (Hildesheim):                  Transhumanismus: Zwischen Tradition und Hypermoderne   17.00       Podiumsdiskussion mit Referenten.                                                                  Moderation: Helmut Fink (HABy) & Helmut Walther (GKPN)   18.00       Ende der Veranstaltung Nach jedem Vortrag sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion besteht für die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern. Programmgestaltung/Moderation: Dr. Frank Schulze & Helmut Fink

Themen

Transhumanismus - die „gefährlichste Idee der Welt“? Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner Nach einigen einführenden Bemerkungen zum Transhumanismus werde ich einen Aspekt näher beleuchten, aufgrund dessen man den Transhumanismus als die „gefährlichste Idee der Welt“ betrachten kann: transhumanistische Vorschläge hinsichtlich Fortpflanzungstechniken. Anhand der Beispiele Hybridisierung, dreifache biologische Elternschaft und Selektion nach IVF und PID werde ich die Brisanz und auch die Relevanz transhumanistischer Überlegungen aufzeigen. Dabei wird deutlich werden, dass sich mit dem Transhumanismus ein kultureller Paradigmenwechsel vollzieht. Der frühe Transhumanismus zwischen Wissenschaft und Religion Dipl.-Pol. Christopher Coenen Der Transhumanismus hat in diesem Jahrhundert verstärkt Aufmerksamkeit erlangt und sich auch politisch zunehmend organisiert. Seine Bedeutung dürfte durch neue und sich abzeichnende technowissenschaftliche Entwicklungen noch erhöht werden. Um ihn und auch die aktuellen Diskussionen besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, seine Genese und historische Relevanz näher zu betrachten. Im geschichtlichen Entstehungskontext werden sein Inhalt und Geist deutlicher als in den zuweilen hektischen Diskussionen der Gegenwart, und es zeigt sich die fundamentale Bedeutung, die das Verhältnis von Religion und Wissenschaft für diese Weltanschauung hat. Transhumanismus – Trivialität oder Provokation? Prof. Dr. Dieter Birnbacher Francis Fukuyama hat die Idee des Transhumanismus „the world's most dangerous idea“ genannt. Aber ist diese Bewegung wirklich so subversiv, wie sie es erscheinen machen will? Ist sie nicht eine lediglich den Umständen unserer Zeit angepasste Version des alten Fortschrittsprogramms der französi- schen Aufklärung, der Utilitaristen und der Positivisten? Dagegen spricht, dass das Spezifische des Transhumanismus nicht schlicht die Ermutigung zur Lebens- verbesserung durch Technik ist, sondern durch eine Technik, die direkt am indi- viduellen Menschen ansetzt und ihn gezielt in seiner körperlichen Beschaffen- heit und Funktionsweise steigert. Sofern dafür Mittel der Biomedizin eingesetzt werden, überschneidet sich die Diskussion um den Transhumanismus mit der über das Enhancement. Falls dieses, wie ich argumentiere, ethisch ambivalent zu beurteilen ist, gilt diese Ambivalenz auch für den Transhumanismus. Transhumanismus als Utopie Dr. Sascha Dickel Im Vortrag wird gezeigt, dass der Transhumanismus sich durch einen konstitutiven Zukunftsbezug auszeichnet, nämlich durch die Konstruktion von Zukünften posthumaner Transformation. Diese Zukünfte lassen sich als Spielart moderner Utopien rekonstruieren. Ihr Dreh- und Angelpunkt ist die Idee einer Entgrenzung des menschlichen Lebens. Der Verzicht auf solche posthumanen Zukunftsutopien würde zu einer Entdramatisierung der biopolitischen Konflikte der Gegenwart beitragen. Der Transhumanismus als politische Bewegung - Auf dem Weg in eine „Brave New Transhumanist World“? Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter Ist der Transhumanismus auf dem Weg, zu einer politischen Bewegung jenseits von links und rechts zu werden? Ist er gar, wie seine Vertreter meinen, die zeitgemäße Verkörperung von „Dritter-Weg“-Politiken, die seit den 1990er- Jahren das Beste von links und rechts zu progressiven Sachpolitiken zu ver- knüpfen suchen? Und eröffnet er mit seiner Organisation zu politischen Partei- en mittel- bis langfristig ein Politik- und Sozialverständnis, das bisherige politi- sche Zuordnungen auflöst, indem er nicht „Konservativismus“ gegen „Sozialis- mus“, sondern die Technik ins Zentrum der meisten politischen Fragen und He- rausforderungen der kommenden Jahre stellt? Die Gründung der „Transhumanistischen Partei der USA“ durch den Bestseller- autor Zoltan Istvan, der damit 2016 für das Amt des US-Präsidenten kandidiert, die Gründung eines globalen Netzwerks nationaler transhumanistischer Partei- en unter anderem in Deutschland und England sowie von Clusterbewegungen mit politischen Ambitionen wie der „Transhumanist Party Global“, die geo- politische Gemeinschaftsinitiativen etwa in Asien und Afrika fördert, waren 2014 und 2015 Schritte zur konkreten Politisierung des Transhumanismus. Der Transhumanismus rückt aber auch auf anderen Wegen näher an die internatio- nalen Machtzentren heran, etwa durch Beratung der BRAIN-Initiative des US- Präsidenten seit 2014 oder mittels des offenen Briefs des zweiten internationa- len Global Future Congress 2045 im März 2013 an UNO-Generalsekretär Ban Ki- moon. Mein Vortrag gibt einen Überblick über die aktuelle Entwicklung, thematisiert die philosophischen und ideologischen Grundlagen transhumanistischer Politi- ken und stellt Fragen nach ihrer Konsistenz und Entwicklungsperspektive. Transhumanismus: Zwischen Tradition und Hypermoderne Dr. Gerhard Engel Der Vortrag behandelt zum einen Zukunftsfragen des Menschen („Was dürfen/können/müssen wir erwarten?“), zum anderen Zukunftsfragen des Humanismus. Das eine ist ein Faktenproblem, das andere ein Konzeptions- problem. Der Transhumanismus will zu beidem Stellung beziehen. Der bisherige etablierte Humanismus muss das daher auch tun. Zur ersten Frage: Es wird die These vertreten, dass die entscheidenden Zukunftsprobleme nicht technischer, sondern sozialer Natur sind. Technische Entwicklungen können soziale Probleme zwar verschärfen, aber selten verringern. Zur zweiten Frage: Die konzeptionellen Konsequenzen des Transhumanismus für den gegenwärtigen Humanismus sind aus liberaler Sicht eher gering zu veranschlagen. Der Transhumanismus ist in seiner gemäßigten Form ein sinnvolles Plädoyer für eine liberale Innovationspolitik. Die geschichtlichen Wurzeln seiner Grundgedanken reichen allerdings historisch weit zurück - viel weiter, als diejenigen meinen, die mit dem Transhumanismus einen grund- legenden konzeptionellen Neuanfang verbinden.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstleri- schen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen - heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In den beiden Kaffeepausen (11.45 Uhr und 15.45 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Die Verpflegung in diesen beiden Pausen ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Das Mittagessen (12.45-14.15 Uhr) nehmen die Teilnehmenden in einer Lokalität ihrer Wahl und auf eigene Kosten ein. Wir empfehlen zum einen den Marientorzwinger (ca. 3 Gehinuten vom Veranstaltungsort entfernt). Dort ist ein Kontingent an Tischen für die Symposiumsteilnehmer reserviert. Zudem besteht am Vormittag des Veranstaltungstages die Möglichkeit der Vorbestellung aus einer Speisenauswahl, damit es am Ende der Pause nicht knapp wird. Ebenfalls empfehlenswert ist zum anderen das Restaurant Heilig-Geist-Spital, das ca. 5 Gehminuten vom Tagungsort reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschrei- bung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
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